Mit einem solargestützen E-Bike um die Welt reisen — von diesem Traum erzählte mir Mark Harzheim 2015 auf einem Festival. Aufgrund eines Kreuzbandrisses und insgesamt sechs Operationen sowie einer nachfolgenden Arthrose 3. Grades ist sein Knie nur bedingt belastbar. Nun erfuhr ich, dass sein Traum Wirklichkeit wird und er in den kommenden Tagen seine rund 100.000 km lange Strecke antritt. Beeindruckt von diesem tollen Vorhaben, stelle ich hier mehr über die Hintergründe und Planungen vor.

Mit Sonnen- & Muskelkraft um die Welt

Der Weg ist das Ziel und darum folgt die Route über 5 Kontinente auch nicht den kürzesten Weg. Auf der Weltkarte ist der geplanten Verlauf der ca. 100.000km langen Strecke zu sehen.

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Route Fahrrad Weltreise

Motivation

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Mark Harzheim

Die Idee einer Weltumrundung mit den Rad geistert dem Fahrzeugbauingenieur schon seit rund 20 Jahren im Kopf herum. 6 Jahre war er an der Entwicklung von Elektrofahrzeugen beteiligt und weiß, worauf es bei der Technik ankommt.

Harzheim hat viele Radreisen und lange Wanderungen trotz seiner physischen Einschränkungen hinter sich. Die Reise soll auch andere Menschen motivieren, es ihm gleich zu tun und zeigen, wie Technik helfen kann, Hürden zu überwinden.

Sein Ziel ist es auch, mit dem Solar Pedelec die Welt mit minimalem Energieaufwand und ohne Flugzeug zu umrunden.

Vorbereitungen zur Rad-Weltreise

Die Vorbereitung für so eine Reise, gar eines neuen Lebensabschnittes, ist nicht ohne. Neben der Wohnungsauflösung stehen der Aufbau und die Entwicklung des Solaranhängers, die Beschaffung der Ausrüstung und eine Menge organisatorische Erledigungen an.

Im Spätsommer 2015 begann Harzheim mit der Suche nach passenden Partnern. Wichtigster Punkt war ein solider Antriebs- und Fahrradhersteller. Nach mehreren Gesprächen fiel die Wahl auf die Kombination Patria mit GoSwissDrive. Zusammen mit dem Pinion-Getriebe, Gates Carbon Drive Riemen und den übrigen hochwertigen Komponenten sollte daraus ein äußerst zuverlässiges, annähernd wartungsfreies Reiserad werden.

Das „maßgeschneiderte“ Stahl Pedelec

Kurz darauf ging es dann zügig los mit der Planung des Pedelecs bei Patria vor Ort in Leopoldshöhe bei Bielefeld. Auf dem patentierten Velo-Checker wurde für die individuelle Radgeometrie Maß genommen.

Weiter wurden die Ausstattungsdetails festgelegt und mit dem Bau begonnen. Die Übergabe des fertigen Rades erfolgte direkt bei Patria in Bielefeld. Nach der ersten Probetour ohne Anhänger stellte sich heraus: Das Rad sitzt wie ein Maßanzug. Auch der GoSwissDrive überzeugte. Bei der Testfahrt von 120km und 20er Schnitt waren von 558 Wh nur 472 Wh verbraucht und das widrigen Bedingungen. Der hohe Wirkungsgrad ließ den Zweitakku in der Satteltasche bleiben.

Der Solaranhänger

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Der einachsige, gefederte Hänger trägt zum Laden ein 120Wp starkes Solarpanel, welches über zwei Stempel und Gelenke in alle 4 Himmelsrichtungen verstellt und der Sonne nachgeführt werden kann. Eine Seilkonstuktion stabilisiert die leichte 6mm Alu-Wabenplatte. Selbst bei schwacher Februarsonne hat das Panel am ersten Tag fast 300 Wh erzeugt. Das waren ca. 1/3 des Energiebedarfs der 120-Tageskilometer. Bei guten Lichtverhältnissen sollte sich eine positive Energiebilanz ergeben.

Das Leben besteht in der Bewegung
Aristoteles

Es kann losgehen

Die letzten Vorbereitungen sind im vollen Gange, Testfahrten absolviert und so soll es nun Mitte April 2016 losgehen. Auf der langen Reise durch etliche Länder und Kulturen wird Harzheim sicher auf viele interessierte Menschen stoßen. Eine Zeitvorgabe hat er sich übrigens nicht gesetzt. In seinem Reiseblog (siehe unten) wird Mark Harzheim von seiner Tour auf dem Solar E-Bike und seinen Erlebnissen berichten. 

Ich wünsche für die Fahrt alles Gute, Gesundheit, Pannenfreiheit und viele unvergessliche Erfahrungen.

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